SpaceX is a zero
Warum Liu Cixin das Bewertungsmodell zerstört.
Über den Börsengang, die Bewertung und Zukunftsaussichten von SpaceX wird in den nächsten Tagen noch viel geschrieben werden. Muss man sich damit beschäftigen? Aus meiner Sicht ist das Zeitverschwendung. Denn wer wie ich die Trisolaris-Bücher (Originaltitel: 地球往事, Englisch: “Remembrance of Earth’s Past”) des chinesischen Autors Liu Cixin gelesen hat, wird sofort wissen: SpaceX ist wertlos.
Hier also meine - muss ich das wirklich schreiben? - nicht ganz ernst gemeinte Analyse des SpaceX IPOs. Wer die genannten Bücher noch lesen, sich die Fernsehserie anschauen und sich nicht spoilern lassen will, sollte diese Seite jetzt besser schließen.
Our mission:
”To build the systems and technologies necessary to make life multiplanetary, to understand the true nature of the universe, and to extend the light of consciousness to the stars.”
SpaceX IPO Prospekt
SpaceX geht davon aus, dass das Universum eine unendliche, stabile Ressource ist. Die Ausbreitung des “Lichts des Bewusstseins” durch Multiplanetarismus, das Erschließen von Ressourcen im Sonnensystem und der Bau interstellarer Infrastruktur werden als ultimativer Akt der Bewahrung und Schöpfung gefeiert. Technologie als Retter der Menschheit.
Die wissenschaftliche Aussage der Trisolaris-Reihe ist jedoch: Das Universum ist kein unberührter Raum, sondern ein seit Milliarden Jahren andauerndes, apokalyptisches Schlachtfeld. Fortschrittliche Zivilisationen nutzen die fundamentalen Gesetze der Physik als Waffe. Um Feinde auszulöschen, können sie den dreidimensionalen Raum in die Zweidimensionalität kollabieren lassen.
Um diesen Dimensionsangriffen und dem Untergang zu entgehen, spalten Zivilisationen Raum und Masse ab, um sich in sogenannte Taschen-Universen zu retten. Das fatale Resultat: Dem uns bekannten (großen) Universum wird so viel Masse entzogen, dass die kritische Massengrenze unterschritten wird. Es kann nach der physikalischen Theorie des sogenannten “Big Crunch” nicht mehr in sich zusammenstürzen, um in einem neuen Urknall wiedergeboren zu werden. Es stirbt durch stetige Expansion den Tod in ewiger, totaler Dunkelheit.
In Elmo Musks Vision ist hochentwickeltes Leben die Krone des Universums. In Liu Cixins Vision ist es ein Krebsgeschwür, das durch seinen schieren Überlebens- und Expansionswillen die physikalische Struktur und die Wiedergeburt des Universums selbst zerstört.
In der von ihm formulierten Theorie des “dunklen Waldes” ist Überleben das primäre Bedürfnis jeder Zivilisation. Diese Zivilisationen wachsen und expandieren exponentiell, aber die Ressourcen im Universum sind endlich. Da interstellare Distanzen eine funktionierende Kommunikation unmöglich machen und das Risiko unberechenbarer technologischer Explosionen besteht, verhält sich jede Spezies wie ein lautloser, bewaffneter Jäger.
Die logische Konsequenz: Jede Zivilisation, die ihre Existenz oder Position durch Funksignale, Infrastruktur oder Expansion verrät, wird sofort von überlegenen Zivilisationen vernichtet, um zukünftige Bedrohungen im Keim zu ersticken.
Wem diese kosmologische Realität bekannt ist, für den wird der Börsenprospekt von SpaceX operativ auf einen Schlag obsolet. Die physikalischen Rahmenbedingungen machen die Kernprodukte von SpaceX wertlos:
Die Mars-Kolonie ist eine Todesfalle: Eine multiplanetare Präsenz der Menschen bietet exakt null Schutz gegen einen zweidimensionalen Vektorangriff anderer Zivilisationen. Wenn unser Sonnensystem dem ausgesetzt wird, kollabieren Erde und Mars gleichermaßen. Die Starship-Flotte wäre völlig nutzlos.
Das Ende der klassischen Raumfahrt: SpaceX müsste die Entwicklung seiner “Starship”-Raketen mit chemischem Antrieb sofort einstellen. Stattdessen müssten 100% des Forschungs-Budgets in die Manipulation von Raum und Zeit fließen:
Krümmungsantriebe: Die einzige Möglichkeit, einem Dimensionskollaps zu entkommen, sind Schiffe, die mit Lichtgeschwindigkeit fliegen.
Schwarze Domänen: SpaceX müsste versuchen, die Lichtgeschwindigkeit im Sonnensystem künstlich herabzusetzen, um eine Art “Todeserklärung” an das Universum abzugeben, sich selbst einzusperren und so zu signalisieren, dass man keine Bedrohung darstellt.
Bau von Taschen-Universen: Die ultimative und moralisch verwerflichste Dienstleistung – das Abspalten von Raum und Masse für die reichsten Menschen der Erde, um das Ende der Zeit zu überleben.
Die astronomische SpaceX-Bewertung von 1,75 Billionen Dollar basiert auf der vagen Hoffnung diskontierter Cashflows in einer stabilen, dreidimensionalen Zukunft. Die wissenschaftliche Realität zerstört jedoch dieses Bewertungsmodell völlig.
Das Risiko eines Dimensionskollapses (der unvorhersehbar und mit Lichtgeschwindigkeit eintrifft) kann nicht durch Versicherungen oder Hedging abgefedert werden. Außerdem: Die Wachstumsphantasie der Raumfahrtökonomie stirbt, da das Expandieren in ein zerfallendes Universum sinnlos ist.
Nur wenn SpaceX den strategischen Pivot schafft und als einziges Unternehmen die Technologie entwickelt, um Taschen-Universen oder Raumschiffe mit Krümmungsantrieb zu bauen, wäre die Bewertung von 1,75 Billionen Dollar gerechtfertigt.
SpaceX würde nicht mehr Raumfahrt verkaufen, sondern Ewigkeit und Überleben. Das Unternehmen könnte buchstäblich das gesamte globale Vermögen der Menschheit abschöpfen und zum alleinigen Verwalter der überlebenden menschlichen Masse werden – auf Kosten des restlichen sterbenden Universums. Da Elmo Musk viel verspricht und nicht mal ein paar simple Robotaxis auf die Straße bringen kann, bewerte ich die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios aber mit Null.
Den existenziellen Widerspruch zwischen der Vision von SpaceX und der Theorie von Liu Cixin kann Elmo Musk nicht auflösen:
SpaceX-Paradigma: Expansion und Sichtbarkeit sind der Garant für das Überleben. Wenn wir auf der Erde bleiben, sterben wir aus. Wir müssen uns laut und gigantisch im Sonnensystem ausbreiten.
Trisolaris-Paradigma: Expansion und Sichtbarkeit sind das Todesurteil. Wer Lärm macht (z.B. durch hunderttausende Satelliten, Raketenantriebe, interplanetare Mega-Strukturen oder geballte elektromagnetische Strahlung von Weltraum-Rechenzentren), verrät seine Koordinaten an die Jäger im Dunklen Wald.
Nach der Logik des Dunklen Waldes ist der von SpaceX forcierte Vorstoß keine Rettungsmission, sondern ein kosmisches Selbstmordkommando. Die korrekte Überlebensstrategie wäre nicht die Expansion, sondern die vollkommene planetare Isolation, Tarnkappentechnologie in einer sogenannten Schwarzen Domäne und das Reduzieren unserer energetischen Signatur.
SpaceX is a zero.




